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HAUSWEBEREIEN

Auszug

Die Anfänge der in Rumänien so verbreiteten und in der Bauernwirtschaft des Mehedintigebiets so ge¬schätzten Spinn- und Webekunst verlieren sich in weitzurückliegender Vergangenheit.

Zur Entfaltung dieser, zur Befriedigung gewisser Lebensbedürfnisse, wie Kleidung und Wohnungseinrich¬tung, so notwendigen Handwerke bedurfte es entsprechender Rohstoffe. Im Mehedintigebiet dienten als solche: die Wolle, das Ziegenhaar, Hanf, Flachs, Baumwolle und wesentlich später die Bastseide der Seidenraupe.

Zur Verarbeitung dieser Textilfasern benutzte man im gesamten Mehedintigebiet eine verhältnismäßig kleine Anzahl, auch in den Nachbargebieten in ähnlichen Formen verbreiteter Werkzeuge und zwar : Schafschurs¬scheren, Wollkratzen, Hanfschwingen oder -bleuel, zum Erlangen von Hanf- und Flachsfasern, das Spulrad zum Abspulen der Bastseide und schließlich die Spinnrocken.

Die dem Weben vorausgehenden Handgriffe und Handlungen, wie das Ablängen, Aufspulen, Kettenscheren, die vermittels überaus einfacher Geräte, d.h. Ablängstab, Spulrad, Haspel und Scherrahmen Zustandekommen, weisen keine besonderen Kennzeichen auf.

Zum Unterschied zum Nachbargebiet Dolj, entfaltete sich hier die Webekunst hauptsächlich innerhalb des Bauerngehöfts. Weder im Nordteil, d.h. in den Dörfen der als „Motrubojaren" bezeichneten Bewohner, noch in der Nähe des Strehaiaklosters kam es zur Entfaltung von Kelimteppichwerkstätten, wie es in Craiova und Tismana der Fall war. Vielmehr arbeitete in dem Dörfen des Mehedintigebiets, wo den Geweben innerhalb der Bauernstube vor allem eine Zweck- und erst viel später eine Zierbestimmung zufiel, jede Bäuerin zur Befriedigung der Bedürf¬nisse des eigenen Haushalts.

Unter Berücksichtigung des benutzten Rohstoffes lassen sich die Gewebe des Mehedintigebiets folgender¬weise gliedern :

1. Wollgewebe ;
2. Hanfgewebe ;
3. Baumwollgewebe j
4. Flachsgewebe ;
5. Bastseidengewebe.

Indem die Weberinnen des Mehedintigebiets die zur Verfügung stehenden Rohstoffe auszunutzen wußten, schufen sie eine überaus abwechslungsreiche Gewebeskala.

So lassen sich die Gewebe des Mehedintigebiets, was ihre Bestimmung anbetrifft, desgleichen in mehrere selbstständige Gruppen einteilen und zwar :

a) zum Bedecken des Betts oder zum Zudecken benutzte Gewebe ;
b) zum Verzieren der Stube dienende Gewebe ;
c) zur Herstellung von Trachtenstücken bestimmte Gewebe;
d) brauchtumverbundene Gewebe.

Im Hinblick der Mannigfaltigkeit erweisen sich die Gewebe des Mehedintigebiets als verhältnismäßig einheitlich, d.h. sowohl im Süden, als auch im Norden des Kreises benutzte man die gleichen Gewebegattungen. Die Erzeugnisse der Bergbauern von Izverna und Closani unterscheiden sich von denen des Donaugebiets lediglich durch eine leuchtendere Farbgebung, die den Süden kennzeichnet, wogegen die des Nordens nüchterner genannt werden kann. Einen weiteren Unterschied bilden die im Süden in größerer Anzahl belegten, aus Baumwolle oder Bastseide hergestellten Ziergewebe. Trotzdem läßt sich die Gesamtheit der Gewebe des Mehedintigebiets als einheitlich bezeichnen, wobei sie sich innerhalb des geographischen Raumes der Oltenia durch eigene, kenn¬zeichnende Züge abhebt.

Die zum Zudecken oder Bedecken benutzten Gewebe tragen folgende Bezeichnungen : „zävadä" — im Norden des Kreises ; „scoartä" — sowohl im Norden, als auch im Süden ; „velintä' — in gewissen, am Donau¬ufer gelegenen Dörfern. Am meisten verbreitet ist dei Ausdruck scoartä (wörtlich Baumrinde A.d.Ü.), der manchmal auch Gewebe bezeichnet, die die Wände bedecken.

Der Unterschied der Benennung bezieht sich nicht nur auf den geographischen Bereich in dem das Gewebe Verwendung findet, sondern bezeichnet besondere Form- bezw. Ornamentgattungen.

Die zur Ausschmückung des Wohnraums bestimmten Ziergewebe, die vor allem die über dem Bett befind¬liche Wandfläche bedecken, waren nicht immer in allen Dörfern des Mehedintigebiets verbreitet und spielten früher lediglich eine untergeordnete Rolle. Im gleichen Maße, in dem der Hausgrundriß durch Hinzukommen eines Gäste¬zimmers wuchs, begann man die allgemein als scoarte bezeichneten Ziergewebe eigens zu diesem Zweck anzufer¬tigen. Diese Tatsache wirkte sich sowohl auf die Sorgfalt aus, die man der Farbgebung angedeihen ließ, als auch auf die Zunahme der Wirkornamente und das Abnehmen der Streifenregister und schließlich auf das Auftreten bis dahin nicht benutzter Motive in Pflanzen-, Tier und Menschenform.

So treten vor rund 70 Jahren in den Dörfen Ilovät, Bala Nadanova, Podeni, Ciresu gewisse „scoarte" auf bei denen die Streifen mit handgewirkten Motiven abwechseln und zwar sowohl in Hinsicht der Ornamentverlei-lung als auch der Farbgebving.

Die Chromatik der „scoarte" kennt harmonisch abgestimmte, leuchtende Farben, am häufigsten jedoch ; Schwarz, Rot, Weiß, Grün, Weichselrot und Gelb. Dabei läßt sich in der Farbgebung dieser Gewebe eine Vor¬liebe für dunkle, durch helle Felder abgegrenzte Farbflächen, wie etwa Schwarz mit Weiß, Rot mit Weiß, Grün mit Weiß, feststellen.

Zu den zur Stubenausschmückung bestimmten Haustextilien gehören die Polster und Polsterziechen, die man aus Wolle herstellte und die zu den Pflichtbestandteilen des Heiratsguts gehörten.

Das Tischtuch ist ebenfalls ein wichtiges Zierstück. Zusammen mit den Leintüchern und den , mäsoaiele de ladä", Gewebe mit denen man das Textil-Heiratsgut zudeckt, das sich auf der Brauttruhe türmt, bilden die Tischtücher ein, in ornamentaler Hinsicht, einheitliches Ganzes.

Über einen Zeitraum von fast anderthalb Jahrhunderten, erfüllte das Zierhandtuch „stergarul" eine wich¬tige Dekorationsrolle innerhalb der Bauerstube.

Der Dekor der Zierhandtücher weist meist geometrische Motive auf, wie etwa den von Vögeln bevöl¬kerten Lebensbaum, einen mit Vögeln besetzten Weinstock, allerlei Formen des Sonnenrads. Manchmal treten, als Auswirkung des Kulturaustauschs mit dem benachbarten Doljgebiet, in der Ornamentik der im Süden verbreiteten Zierhandtücher Darstellungen von krinolinentragenden weiblichen Figuren, von Reitern in Ritterkostümen, säbel¬bewehrten Türken auf.

Die Farbgebung der älteren Zierhandtücher beschränkt sich auf zwei oder drei Farben : Rot, Schwarz, Blau. Allmählich treten weitere leuchtendere Farben, vor allem in den Stickereien auf und zwar : Gelb. Grün, Hellblau.

Die iür Hochzeit oder Gevatterschaft bestimmten Stücke sowie die Handtücher, die die Festteilnehmer als Gaben erhalten, werden aus feinem Garn gewebt und reich verziert.

Die für Begräbnisse bestimmten Stücke sind streng gehalten, jedoch sorgfältig ausgeführt.

Als Gesamtheit betrachtet reihen sich die Haustextilien des Mehedintigebiets der Familie für die Oltenia kennzeichnender Gewebe ein, von denen sie sich durch eine strengere Ornamentik und Farbgebung unterscheiden. In künstlerischer Hinsicht erreichen sie gerade dadurch eine besondere Raffinesse und belegen die Meisterschaft <1or Volkskunstschaffenden

Die Farbgebung der älteren Zierhandtücher beschränkt sich auf zwei oder drei Farben : Rot, Schwarz, Blau. Allmählich treten weitere leuchtendere Farben, vor allem in den Stickereien auf und zwar : Gelb. Grün, Hellblau.

Die iür Hochzeit oder Gevatterschaft bestimmten Stücke sowie die Handtücher, die die Festteilnehmer als Gaben erhalten, werden aus feinem Garn gewebt und reich verziert.

Die für Begräbnisse bestimmten Stücke sind streng gehalten, jedoch sorgfältig ausgeführt.

Als Gesamtheit betrachtet reihen sich die Haustextilien des Mehedintigebiets der Familie für die Oltenia kennzeichnender Gewebe ein, von denen sie sich durch eine strengere Ornamentik und Farbgebung unterscheiden. In künstlerischer Hinsicht erreichen sie gerade dadurch eine besondere Raffinesse und belegen die Meisterschaft <1or Volkskunstschaffenden dieses Landesteils, indem sie don rumänischen Kunstbestand bereichern.

HARTA JUDETULUI MEHEDINTI

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