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DIE KERAMIK


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DIE KERAMIK

Der Ton, in den Weichen der Berge geschürft, im Gehöft ausgereift, mit den Füßen gestampft und mit den Händen geformt, dann an der Sonne getrocknet oder in eigens dazu gefertigten Öfen gebrannt, reicht weit in die Vergangenheit, bis zu seinem dunklen in der Jungsteinzeit belegten Ursprung zurück, beansprucht jedoch, bis in die Feudalepoche hinein, das Recht eines unzweifelhaften Dokuments für unsere feststehende Gegenwart im Karpaten-Donauraum.

Oder um in Gleichnissen zu sprechen: der Töpfermeister gab dem Ton das Leben und durch dessen Sprache sind wir im Stande über weitzurückliegende Zeiträume Zwiegespräche zu führen, unsere Vorfahren besser, zu kennen, die Formen der Gefäße und deren Verzierungen besser verstehen zu können, die durch die Schöpfer¬kraft des Volkes zum Wert wahrer Zeugnisse der Ästhetik aufstiegen.

I. Die vorgeschichtliche Keramik

Archäologische Forschungen vermittelten uns die Kenntnis einer verhältnismäßig großen Anzahl von Niederlassungen des Mehedintigebiets, wo Keramikgegenstände oder Bruchstücke entdeckt wurden, angefangen von der Jungsteinzeit, d.h. von den Kulturen Starcevo-Cris, Vinca-Turdas, bis zu Säleuta und Cotofeni angehörend. Derartige Siedlungen finden sich vor allem auf den Donauinseln — dem Ostrovul Banului, dem Ostrovul Simian, dem Ostrovul Corbului und dem Ostrovul Mare, aber auch den Flußlauf entlang, d.h. bei Hinova, Balta Verde, Girla Mare und Salcia.

Bronzezeitliche Keramik findet sich auf den Flußinseln Ostrovul Corbului, Ostrovul Mare und Girla Mare, wobei die Girla Mare-Kultur, die zu den bedeutendsten Bronzezeitkulturen gehört, einem größeren Bereich ange¬hört, der die pannonische Donauaue und den nordwestlichen Balkan umfaßt.

Die Keramik der Girla Mare-Kultur weist einen beachtenswerten Ornamentreichtum auf, was viel Kunst¬sinn der Töpfermeister verrät und unter Umständen, auf ästhetischer Ebene, als Widerspiegelung außerordent¬lichen Wohlstands der damaligen Einwohner ausgelegt werden könnte.

Die Träger der Girla Mare-Kultur schließen die Bronzezeit des Mehedintigebiets um das Jahr 1200 v.u.Z. ab und vermelden die Ankunft der Eisenzeit (Hallstatt).

Beim gegenwärtigen Wissensstand läßt sich die Behauptung aufstellen daß das Debüt dieser Epoche, auf dem Gebiet keramischer Funde, durch die auf dem Ostrovul Banului, bei Gura Väii zutagegeförderten Keramik¬funde eröffnet wird, das eine durch Metallglanz gekennzeichnete Schwarzkeramik umfaßt, die sich eher durch Eleganz der Form, als durch Vielfalt und Fülle des Dekors auszeichnet, jedoch für den Beginn der Eisenzeit, d.h. der Hallstattperiode (800—600 v.u.Z.) spezifisch ist und in ethnischer Hinsicht den Thrakern zugeschrieben wird. Der gleichen Epoche gehört das in den Siedlungen von Eselnita, Orsova, Turnu Severin, Ostrovul Simian, Ostrovul Mare, Balta Verde, Gruia, Girla Mare und Salcia zutagegeförderte Keramikmaterial (lauter entlang der Donau gelegene Siedlungen) an, dazu das in Sura, Vinjulet, Bilvänesti (an Nebenflüssen gelegene Niederlas¬sungen) gefundene.

In der Nekropole von Eselnita fand sich der späten Hallstattperiode (600—400 v.u.Z.) zugehörende Keramik, die eine betonte gegenseitige Durchdringung der thrakischen und illyrischen Kulturen belegt. Von ausschlaggebender Bedeutung für die spätere Entwicklung der Töpferei ist die Benutzung der Töpferscheibe. Damit hergestellte Keramik gelangt um das V. Jh. v.u.Zeitrechung auf den Boden des Mehedintigebiets.

Im Laufe der zweiten Eisenzeit, die etwa zwischen die Jahre 400 v.u.Z. und 100 u.Z. fällt, entfaltet sich die dazische Latenekultur. Für diese Periode kennzeichnende Keramik wurde bei Ogradena (beim Punkt ,,Räz-vrata") zutagegefördert, sowie bei Orsova, Turnu Severin (die innerhalb des Castrums und die südlich und westlich der Stadt gelegenen Niederlassungen eingeschlossen), bezw. auf den Flußinseln Simian, Ostrovul Corbului, Ostrovul Mare sowie bei Hinova, Girla Mare, Gruia, Sisesti, Bobäita, Balta Verde, Ciresu und Schela Cladovei.

Die dakische Latenekultur fußt auf den vorausgegangenen Kulturen, die einer Sedimentierung keltischer und römischer Einflüsse als Grundlage dienen. Als Erzeugungstechniken finden sich dabei die gleichzeitige Benut¬zung handgearbeiteter und auf der Scheibe geformter Keramik.

An der Schwelle unserer Zeitrechnung, vor allem aber nach dem Jahre 106, als Dazien zur römischen Provinz wird, weist die einheimische Keramik starke römische Einflüsse auf und die zustandekommende dakisch-römische Synthese bildet die Voraussetzung der rumänischen Bauernkeramik.

Mit der Ausdehnung des byzantinischen Kaiserreichs bis an die Donau läßt sich eine betonte Beein¬flussung der einheimischen Keramik durch die von Byzanz kommende feststellen, die als Neuerung zunächst die Glasierungstechnik mit sich bringt, unter Benutzung gelber und grüner Farbe, ein Einfluß, der sich bis ins hohe rumänische Mittelalter auswirken soll.

II. Die rumänische Bauernkeramik

1. Kurze Klarlegung

Die Tätigkeit von Keramikzentren beschränkt sich im Mehedintigebiet nicht auf Simian (heute ver¬schwunden) und Sisesti, was gewisse Forscher aufrechterhalten. Selbst wenn die KoUektiverinnerung heute nicht mehr mit Gewißheit zu behaupten vermag ob dieses Gewerbe jemals von den Bewohnern der umliegenden Dörfern ausgeübt worden sein mag, helfen uns zahlreiche Flurnamen aus dieser Sackgasse heraus. So stoßen wir bei Baia de Aramä und Bitlanele (Gemeinde Greci) auf je einen Weiler, der die Bezeichnung „Ularii", bezw. ,,Olarii" trägt (was etwa „Töpfer" bedeutet Anm.d.Übersetzers). Bei Girdita, im Weichbild der heutigen Gemeinde Pru-nisor findet sich ein Flurteil mit Namen „Olärita" und bei Fintina Domneascä ein Bachlauf und zwar in einem ,,Ogasul Olarilor" (Töpferpfad) genannten Tal. Desgleichen stoßen wir anläßlich einer Grenzregelung der Ort¬schaft Stingäceaua aus dem Jahre 1650, auf den Flurnamen „Cotul olarului" (Biegung oder Elle des Töpfers) und schließlich heißt es in einem Beschlus des Divan von Craiova (Verwaltungsform der Donaufürstentümer Anm. d.Übers.) vom 18, Juli 1770, anläßlich der Grenzfestlegung des Freisassenguts von Severin, das einer der Grenz¬punkte ,,Fintina cu olane" heiße (was wörtlich Hohlziegelbrunnen bedeutet, Anm.d.Übers.).

Die erste bei uns belegte, auf das Töpfergewerbe des Mehedinfigebiets bezügliche Statistik ist die im Jahre 1832 abgefaßte Wirtschafts-,.Kathagraphie" des Kreises, wo 15 Zentren angeführt werden. Dieser folgt eine Auf¬zeichnung Dimitrie C. Butculescus aus der hervorgeht, daß es im Jahre 1883 über 800 in fünf Zentren zusam¬mengeschlossene Töpfer gab, wogegen die 1901 von Teodor Lazär und Fr. Robin Derescu verfaßte Schrift „Sta-rea si statistica meseriasilor" (Stand und Statistik der Gewerbetreibenden) 153 Töpfer erwähnt.

Die verhältnismäßig junge, von Barbu Slätineanu verfaßte, die Töpfereizentren unseres Landes betreffende Statistik, erwähnt im Mehedintigebiet bloß zwei Zentren: Glogova (mit 30 Töpfern, 2 Fabriken und 15 Brennöfen) und Sise§ti (mit 52 Töpferwerkstätten, einer Fabrik und 52 Brennöfen).

Jüngst, beim Durchstreifen sämtlicher Dörfer des Mehedintigebiets erlebte ich die freudige Überraschung ein weiteres Zentrum zu entdecken und zwar das Dorf Valea Rea der Gemeinde Cäzänesti, wo bis vor einigen Jahren (3—10) noch sechs Töpfer wirkten (die heutige Benennung des Dorfes ist Valea Cosustei).

Die Tatsache daß Flurnamen, Urkunden, Statistiken und Monographien und letzenendes auch Feldfor¬schungen derartige Daten belegen, kann als hinreichender Beweis dafür gelten, daß es im Mehedintigebiet, vor allem aber auf dem Hochplatteau und der Piedmontfläche des Motru mehrere Zentren gegeben haben mag. die altüber¬lieferte Keramik herstellten, wie sie den Karpaten-Donauraum kennzeichnet.

2. Die Simiankeramik und der byzantinische Einfluß auf die Töpferei des Mehedintigebiets

In Simian, einem bereits gegen Ende des XIX. Jh verschwundenen Zentrum, stellte man eine Schwarz¬keramik her, deren Wurzeln bis ins dazische Hallstatt und Latene hineinreichen.

Barbu Slätineanu bemerkt dazu daß das Zentrum Simian einst etwa den Bedarf des Castrums gedeckt und, ehe es zu einem rumänischen Zentrum wurde, als byzantinisches Töpfereizentrum gewirkt haben mag. Die gleiche Quelle berichtet daß sich in Simian eine durch Warzen- und Reliefdekor verzierte Keramik entwickelt habe, sodaß tierförmige Gefäße und solche mit zoomorpher Verzierung (Schlangen, Löwen usw.) nicht selten waren. Die Gefäße waren dunkelgrün glasiert, ohne Engobe aufzuweisen.

Doch kennen wir die byzantinische Keramik im Mehedintigebiet auch aufgrund archäologischer Grabun¬gen, vor allem in den Stationen Vodita und Turnu Severin die größtenteils Prof. AI. Bärcäcilä zu verdanken sind. Unter den Ornamenten herrschen stilisierte Tiere, wie Schlangen, Vögel, Drachen, Adler u.a. vor, wozu einfache geometrische Formen, wie Kreise, auf der Spitze stehende Dreiecke, Kommas und parallele Linien noch hinzu¬kommen.

3. Das Keramikzentrum Sisesti

Während das Keramikzentrum Simian seinen Todeskampf bis in die Dreißiger Jahre unseres Jahrhunderts, durch den einzigen überlebenden Meister Ion Ghenciu ausdehnte und das von Valea Rea (Cäzänesti) bis vor einigen Jahren noch sechs, über 60 Jahre alte Meister zählte, führt das Zentrum Sisesti allein den Ruf der Keramikkunst im gegenwärtigen Verwaltungsgebiet Mehedinti fort.

Bis zum Beginn des Jahrhunderts grub man den Ton, der für die Töpferei bestimmt war, aus dem Girdoaia-berg und zwar im Flurteil ,,toaca din arie". Gegenwärtig geschieht das am Hang des Borabergs und zwar an der ..Mirzaci" genannten Stelle. Aus gewissen Kaolinerde enthaltenden Schichten, die im Volksmund als „mesuri" bezeichnet werden, wird die weißere Erde herausgeholt und mit dem Wagen (heute mit dem Schubkarren) in das Gehöft des Töpfers befördert, wo man sie in Gruben zum Reifen bringt, indem sie zerstampft und mit Wasser begossen wird, bis sie sich in eine [einkörnige Paste verwandelt. Hält man den Reifungeprozeß für abgeschlossen, wird jene Menge herausgeholt, die in einer Mulde Aufnahme findet und ,,vrau" heißt. Nun wird der Ton solange mit den Füßen gestampft bis er sich fettig anfühlt. Darauf mischt man ihm 5—6 Teile aus dem Flurteil „Humärie" stammenden reinen Sand bei und erhält so den formbaren Ton. Dieser wird in Stücke geschnitten, „boboloase" und vom Töpfer mit der Hand geknetet um dabei auch die letzten Fremdkörper zu beseitigen. Nun beginnt das Formen der Gefäße auf der Töpferscheibe. Haben sie die gewünschte Form er'-ngt und wurden gleichzetitig auch ,,geblümt", d.h. mit einer Verzierung versehen, stellt man sie zum Vortrocknen auf eigens dazu dienende Borde.

Darauf folgt das Brennen, das in Öfen geschieht, indem mau die Töpfe entlang der geneigten Ofenwände aufschichtet. In die Mitte, auf den „Herd" kommen die Großgefäße und darüber die kleineren. Wasserkrüge stellt man häufig in die Großgefäße, um sie vor unmittelbarer Berührung der Flamme zu schützen und die milchweiße Farbe zu gewährleisten.

Früher vertrieben die Töpfer von Sisesti ihre Ware vor allem in den Städten Drobeta-Turnu Sevetin. Vinju Mare, Strehaia, Calafat und in den auf dem Hochplatteau gelegenen Dörfern, doch auch in der Hochebene der Bäläcita und der Tiefebene des Blahnitagebiets, bis weit in die rumänische Tiefebene hinein (d.h. in die Dörfer um Filiasi und Calafat herum).

Die Erzeugnisse der Sisestikeramik sind durch eine überaus einfache Verzierung gekennzeichnet. Und zwar finden sich auf einem ockergelben Grund, im Oberteil der Gefäße, die ,,inflorituri" (von flori — Blumen) genann¬ten Verzierungen, d.h. mit einem (aus Schweinsborsten hergestellten) Pinsel, „festelnicul" oder ,,boielnicul") von a festi, a boi — färben), trug man siennafarbene Ornamente, z.B. Linien, bezw. fortlaufende und volle oder ein¬fache, unterbrochene Mäander, auf und daneben sogenannte „Tannenbäumchen" (,,bräduti), ein sowohl in der rumänischen Volkskunst, als auch in der Folklore überaus verbreitetes Motiv.

Bis in die ersten Jahrzehnte unseres Jahrhunderts benutzten die Töpfer von Sisesti bei der Verzierung von Großgefäßen häufig Reliefornamente und zwar trug man, nachdem das Gefäß richtig vorgetrocknet war, die serpuitutri" auf, Alväolarbänder und Knöpfchen und dazwischen allerlei geometrische Figuren, vor allem Rhomben.

HARTA JUDETULUI MEHEDINTI

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